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Kategorie: Buch

Art of the Duckomenta

 

Wer heute nach Amerika reist und dort das Land von Micky und Donald vorzufinden hofft, wird enttäuscht. Die schnelllebige US-Kultur hat ihre Pop-Großeltern schon längst entsorgt, geblieben sind Inseln wie Disneyland oder T-Shirts im Disney-Store. Doch die bunten Bildergeschichten sind ebenso verschwunden wie einst der Jazz. Letzterer wird heute eher in Frankreich und Holland verehrt, der Disney-Comic hingegen in Skandinavien, Italien und Deutschland. Kein Wunder also, dass es Braunschweiger Alt-68er waren, die das Disney-Universum mit der "Duckomenta" in den Adelsstand der Hochkunst erhoben haben. Die klangliche Nähe zur "documenta" ist gewollt, ist doch der Anspruch hinter dem Projekt ähnlich hoch. Es geht um nicht weniger als den kunsthistorischen Beweis, dass Ente und Maus seit jeher eine große Rolle in Malerei und Skulptur spielten.

Nachdem die Ausstellung unter dem Titel "Überall ist Entenhausen" und "Duckomenta" seit vielen Jahren erfolgreich durch Europa getourt ist, bringt Disney-Hoflieferant Ehapa nun endlich einen würdigen Ausstellungskatalog heraus. Pünktlich zur Ausstellung in Schloss Hardenberg versammelt "Art of the Duckomenta" nahezu sämtliche Stücke, die die Gruppe "Interduck" in den letzten Jahren kreiiert hat.

Die Kunstgeschichte entfaltet sich dem Leser völlig neu. Von den Anfängen wie der schönen Duckfretete oder dem Sarkophag des Duckamon bis zu da Vincis "Anas mensura mundi" oder Vermeers Ente mit dem Perlohrring widerlegen Prof. Dr. Eckhart Bauer und seine Gruppe viele Missverständnisse der Kunstgeschichte. Zugegeben, die Persiflage ist ein vergleichsweise altes Stilmittel. Doch selten erreichte eine "Spinnerei" die Ausmaße und künstlerische Qualität der Duckomenta. Onkel Dagobert als Tischbeins Goethe oder Donald als Mondrian-Grafik sind derart überzeugend, dass sie in Masse produziert bestimmt ein Knüller in deutschen Wohnzimmern wären. Einem kommerziell lohnenden Geschäft würde der Disney-Konzern jedoch bald ein Ende setzen.

Die Gruppe Interduck hat das bloße Adaptieren berühmter Gemälde schon lange hinter sich gelassen. Zum einen ist die Skulptur als Kunstform hinzugekommen, zum anderen wagt man sich nun auch an historische Personen. So präsentiert der Katalog die kongenialen Manifeste der "Stattlichen Baumaus, Weimar 1923" ebenso wie das NSDAP-Plakat "Feind hört mit!". Auch der Abdruck der ersten Ente auf dem Mond darf nicht fehlen.

Neben den Abbildungen der Exponate bietet der Katalog noch einige Artikel, die teilweise etwas "bemüht" komisch sind. Ein offizieller Donaldist hätte vielleicht etwas fundiertere Gedanken formulieren können. Ansonsten ist "Art of the Dockumenta" aber einer der schönsten Ausstellungskataloge, die man sich überhaupt ins Regal stellen kann.

Hans Strömsdörfer

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