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Kategorie: Buch

Das Namensbuch

 

Helmut Schmidt und Gerhard Schröder haben es zum Bundeskanzler gebracht. Oskar Lafontaine, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Herta Däubler-Gmelin nicht. Warum? Weil ihr Nachname nicht stimmt. In der Hitliste der 20 häufigsten deutschen Familiennamen steht "Schmidt" in verschiedenen Schreibweisen an erster Stelle, "Schröder" folgt an 17. Stelle. Zufall? Nachnamen sind nicht nur nützlich, um die Millionen Heinrichs und Marias im Lande auseinanderzuhalten - sie stellen auch ein faszinierendes Forschungsgebiet dar.

Besonders am eigenen Familiennamen besteht naturgemäß ein großes Interesse, mag sich Autor Martin Wein gedacht haben. Systematisch trägt er alles Wissenswerte zu den Top-20 der deutschen Nachnamen zusammen, angefangen mit den vier Büchlein zu "Schmidt, "Meyer", "Müller" und "Schneider", die jetzt im Wartberg Verlag erschienen sind. "Alles Müller!", "Mensch Meyer!", "Herein, wenn's (k)ein Schneider ist!" - die Titel lassen erahnen, welche Zielgruppe hier angesprochen ist. Doch man muss Wein zugute halten, dass das Niveau seiner Texte den Geschenkbuch-Standard weit hinter sich lässt. Die liebevoll illustrierten Mitbringsel versammeln derart viele Fakten und Kuriosa, dass auch ein Nicht-Müller oder -Schmidt sich darin festlesen kann. So lernt man, dass 15 Prozent der "Müllers" in Nordrhein-Westfalen wohnen und erfährt, wie die Bundeswehr die behördeninternen E-Mail-Adressen der vielen "Stefan Meiers" organisiert. "Schmidt" heißt auf Türkisch übrigens "Demicri". Und Mary Schneider ist eine australische Profi-Jodlerin, die es mit ihren Jodel-Interpretationen Brahms' und Rossinis weit, naja, immerhin in Weins Büchlein gebracht hat.

Braucht man diese Bücher? Sicher nicht. Doch wer wüsste nicht gern, dass Berlin die höchste Schmidt-Dichte hat oder dass in Deutschland ein mysteriöses "Meyer-Loch" existiert, das den populären Nachnamen verschmäht? Martin Weins "Namensbücher" sind aufwendiger produziert als vergleichbare Geschenkbücher und werden ihren Markt finden - bei über 500.000 "Schmidts" und 700.000 "Müllers"! Nur der Vollständigkeit halber: In der Liste der 100 häufigsten deutschen Familiennamen tauchen weder "Adenauer" noch "Kohl", "Kiesinger", "Merkel" oder "Erhard" auf. "Brandt" belegt Platz 81. Ist also für sozialdemokratische Bundeskanzler ein 08/15-Nachname Pflicht? Das wäre mal ein Buch wert, Herr Wein!

Hans Strömsdörfer

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