Deutschland in frühen Farbfotografien

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, an das Dritte Reich, an 50er- und 60er-Jahre ist eine schwarz-weiße! Der Sprung des NVA-Soldaten über den Stacheldraht, die Räumung des Warschauer Ghettos, Hitlers cholerische Reden - allesamt Ikonen ohne Farbe. Dabei ist die Farbfotografie keine Erfindung der 60er. Bereits 1904 veröffentlichte der Berliner Adolf Miethe das erste Buch mit echten Farbfotos. Über 1400 solcher Bilder versammelt eine neue CD-ROM aus dem Hause Zeno.org: "Deutschland in frühen Farbfotografien".
Was die Erzeugnisse aus den Jahren 1913 bis 1930 so besonders macht, ist weniger ihre Farbigkeit. Schon seit Erfindung der Fotografie wurden Bilder aufwendig nachkoloriert und abgedruckt. Diese Sammlung, die von Peter Walther herausgegeben wurde, besteht jedoch aus "echten" Farbfotos, aufgenommen mit drei Farbfiltern, einigem Fingerspitzengefühl und einer Naturfarbenkamera, die es mit Zubehör und Platten auf ein Gewicht von über einem Zentner bringen konnte.
Für Betrachter des 21. Jahrhunderts, gewohnt an überscharfe Digitalbilder, wirken die Abbildungen von Schloss Lichtenstein, dem Scharmützelsee oder Bad Ems an der Lahn wie kolorierte Zeichnungen. Erst bei genauem Hinsehen entpuppen sie sich als wirkliche Fotos.
Fazit: Grüne Felder, rote Dächer, blauer Himmel - die Welt war schon zur Zeit unserer Großväter bunt. Mit dieser digitalen Sammlung gibt es nun eine Möglichkeit, diese Welt nachzuvollziehen.
Hans Strömsdörfer
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