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Dornröschen Platinum Edition
Seit Jahren schon arbeitet die Software-Industrie nach einem perfiden System: Ein Programm kommt auf den Markt und funktioniert mittelmäßig. Ein Jahr später gibt es eine neue Version "mit vielen neuen Funktionen" - in Wirklichkeit nur eine Version, die erstmals korrekt läuft. Trotzdem muss der Kunde erneut bezahlen. Dann kauft er sich nach Jahren einen neuen Computer mit einem neuen Betriebssystem. Mit diesem ist die Software nicht mehr kompatibel, also muss er, richtig, ein neues Update kaufen. Und so weiter und so fort.
Die Home-Video-Industrie scheint es ähnlich zu machen: Zunächst erschien der Film auf VHS-Video, dann musste man ihn als DVD erneut kaufen. Dann kam eine DVD mit Bonusmaterial und besserem Bild heraus, ein paar Jahre später eine DVD mit noch mehr Bonusmaterial. Und heute ist die Bildqualität von Blu-Ray-Discs das Maß aller Dinge. Doch nun zum Thema: Was unterscheidet die "Platinum Edition" von Disneys Klassiker "Dornröschen" von der 2002 erschienenen "Special Edition"?
Das Bild ist in der Tat etwas frischer, weil die Abtast-Techniken des alten Materials mittlerweile besser geworden sind. Die einzigen ernsthaften Kaufanreize sind jedoch ein neuer Audiokommentar und ein neues 43-Minuten-Making-Of. In dem "Update" des alten Kommentars kommen zwar Experten wie Produzent John Lasseter, Disney-Zeichner Andreas Deja und Filmhistoriker Leonard Maltin zusammen - insgesamt wird aber zu viel über die Jugenderinnerungen der Herren schwadroniert. Der Mehrwert gegenüber dem alten Kommentar ist daher zweifelhaft. Das Making-Of wiederholt viele Statements aus dem Audiokommentar, ist aber insgesamt sehr gelungen. Vor allem die Anzahl an Interview-Partnern ist beeindruckend. Außerdem gibt es ein paar neue Featurettes, etwa über den Zeichner Eyvind Earle oder über die Probleme, die die aufwendige Animation des Films mit sich brachten.
Die übrigen Extras illustrieren gut den bekannten Spagat, den die Disney-Studios mit jeder neuen DVD versuchen: Zum einen werden Scheiben in diesem Preis-Segment mittlerweile eher von Erwachsenen gekauft - andererseits handelt es sich aber nach wie vor um einen Film für Kinder. Daher muss man die vielen interaktiven Spiele wie "Sleeping Beauty Fun with Language Game" oder "Briar Rose's Enchanted Dance Game" wohl über sich ergehen lassen.
Fazit: Besser geht's immer. Und vielleicht sind 20 Euro alle sechs Jahr auch keine so große Investition. Für einen Fan auf keinen Fall.
Hans Strömsdörfer










