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Eine Weihnachtsgeschichte
Charles Dickens'"Weihnachtsgeschichte" ist ein unübertroffenes Meisterwerk - kaum eine Geschichte wurde seit dem 19. Jahrhundert so oft adaptiert, interpretiert, parodiert. Vor allem der Film hat einen Narren an der Geistergeschichte gefressen - und das aus gutem Grund. Denn Dickens war seiner Zeit weit voraus, hatte eine "cineastische" Art des Erzählens, dachte wie ein Regisseur. Schon Regisseure wie Griffith ("Birth of a Nation") oder Eisenstein ("Panzerkreuzer Potemkin") erkannten die Filmtauglichkeit der Dickensschen Werke.
Nach mehreren "definitiven" Verfilmungen (1951, 1984), Komödien ("Die Muppets Weihnachtsgeschichte"), Satiren ("Die Geister, die ich rief") und grässlichen Musicals (1990, 2004) brachte Star-Regisseur Robert Zemeckis ("Forrest Gump") nun also für Disney eine weitere Version - erst in die Kinos, nun auf DVD. Was kann dieser Film dem Genre (und davon kann man mittlerweile sprechen) noch bringen?
Zemeckis veranstaltet mit der 3D-Motion-Capture-Technologie ein beeindruckendes Spektakel. Die Technik, die schon bei "Der Polarexpress" eingesetzt wurde, basiert auf Schauspielern in speziellen Anzügen, deren Bewegungen von einem Computer abgetastet und in Animationen umgesetzt werden. Obwohl die Figuren am Ende immer sehr hölzern wirken, gelang dem Regisseur am Ende eine handwerklich gute Version des Klassikers. Mehr aber auch nicht. Wer sich nach Disneys ungewöhnlich langem Werbefeuerwerk etwas Besonderes versprach, sieht sich enttäuscht. Denn die Krux der Motion-Capture-Technik liegt in ihrer Unentschlossenheit: Warum will man Menschen als Animation darstellen? Während Pixar völlig losgelöst von der Realität fantastische und eigenständige Welten erschafft, klebt Motion-Capture an den Schauspielern. Und was bringt es, wenn man jede Nuance einer Gesichtsregung perfekt abtasten kann - wenn das die Schauspieler doch selbst vor der Kamera viel besser könnten? Was bringt die künstliche Melone, die im Labor für viele Millionen perfekt kopiert wurde, wenn man für einen Bruchteil des Geldes perfekte Melonen anbauen kann? Denn nicht zuletzt wirken die Figuren in der neuen "Weihnachtsgeschichte" auch schlichtweg - hässlich.
Doch Dickens' Werk ist auch dieses Mal viel zu stark, um kaputt gemacht zu werden. Kinder werden sich angenehm gruseln, Väter nostalgisch an ihre eigene Vergangenheit denken und Mütter das Happy End lieben. Ein Film für die ganze Familie. Die DVD, die bei Walt Disney Home Entertainment erschienen ist, bietet neben dem perfekt abgetasteten Film (die große Stärke der digitalen Produktion) ein paar nette Extras, darunter ein Making-Of, das eindrucksvoll die Absurditäten des Motion-Capture-Drehs verdeutlicht. Wenn Jim Carrey, Colin Firth und Bob Hopkins in ihren grell-bunten Anzügen und gepunkteten Gesichtern Kunststückchen machen, fragt man sich aber tatsächlich, warum man dafür diese Star-Mimen benötigt.
Fazit: Trotz allem - "God bless us - everyone!"
Hans Strömsdörfer










