Mauerjahre - Leben im geteilten Berlin
Ein Problem des geteilten Berlins war die Müllentsorgung. Manch ein Westberliner warf gar ungeniert seinen Unrat einfach über die Mauer - zum einen als Statement, zum anderen als bequeme Lösung. Doch der Abfall landete meist zwischen Außenmauer und der ersten Hinterlandmauer. Das Resultat: Der Müll stapelte sich hoch, fing an zu vergären und quälte die Kreuzberger Anwohner, die nachts ihr Fenster nicht mehr öffnen konnten.
50 Jahre nach Bau der Berliner Mauer ist es nicht mehr leicht, dem medial abgearbeiteten Thema noch einen neuen "Dreh" zu verleihen. Auch hat es eine Mauer-Doku heute schwer, noch Filmmaterial zu finden, das nicht bereits tausendfach ausgestrahlt worden ist. Die 30 Folgen der DVD-Box "Mauerjahre - Leben im geteilten Berlin" sind daher besonders gelungen, weil sie tatsächlich neue Aspekte und Bilder präsentiert. Der Alltag in West- und Ost-Berlin wird in über sieben Stunden Spielzeit lebendig, egal ob es um die Müllentsorgung, den Konsum, die Knappheit, Smog oder Paraden geht.
Die Gemeinschaftsproduktion von rbb, NDR, WDR, ZDF, Deutsche Welle und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist ein würdiger Beitrag zum Jubiläumsjahr und ist aufschlussreicher als die unzähligen Sonntagsreden, die Jahrestage dieser Art mit sich bringen. Das Konzept der viertelstündigen Kurz-Dokus bedient zwar hemmungslos die kurze Aufmerksamkeitsspanne des heutigen Zuschauers, hat sich bei dem Erfolg "60 x Deutschland" aber bereits 2009 sehr bewährt.
"Mauerjahre" bietet ausgesuchte Filmaufnahmen, die nicht nur für den Berliner einen interessanten Einblick in den Wahnsinn bieten, der an der Spree über Jahrzehnte zur absurden Realität wurde. Die historische Dokumentation "Berlin 21 Uhr 37 - Ein Tag vor dem 13. August 1961", die der Box als Bonus beiliegt, zeigt, wie bitter West-Berlin von der Mauer überrascht wurde.
Fazit: Anspruchvolles Edutainment ohne Heino Ferch, dafür mit hervorragendem Archivmaterial - dafür zahlt man sogar gerne die GEZ!
Hans Strömsdörfer
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