Tannöd
Das Film-Business ist ein ständiger Kampf gegen hohe Messlatten. Dreamworks computeranimierter Trickfilm "Antz" ist ein gut gemachter Film - doch "Toy Story" wird immer der erste komplett digital erstellte Spielfilm sein. Martin Scorseses "Good Fellas" ist ein schöner Mafia-Film, wird aber nie aus dem Schatten des Standards "Der Pate" heraustreten können. Den Zweiten umweht oft der schale Beigeschmack des Nachahmers. Egal, wie gut er ist.
Auch "Tannöd" kam ein paar Monate zu spät. Das Drama um die rätselhaften Abgründe einer Dorfgemeinde erhielt nur kurz Aufmerksamkeit als letzter Film der großen Monica Bleibtreu. Wer aber heute die DVD von Constantin Film anschaut, dem erscheint der Streifen als eine Mischung aus "The Village" und dem genialen "Weißen Band" von Regisseur Haneke. Gut gespielt, gut fotografiert - aber irgendwie eine Kopie.
Das ändert jedoch nichts an der knisternden Spannung des handwerklich sorgfältig konstruierten Dramas. Nach Jahren kehrt Kathrin (Julia Jentsch) in ihr Heimatdorf zurück. Dort, im Tannöd-Hof, wurde Jahre zuvor die gesamte Familie Danner erschlagen - der Fall jedoch nie aufgeklärt. Julia Jentsch spielt die Hauptrolle des Films sehr überzeugend - weder ist sie eine Getriebene, noch eine Art Kriminalist. Doch sie möchte endlich wissen, wer für den grausamen Mord verantwortlich ist, der die Dorfgemeinschaft seit Jahren traumatisiert und an den Rand des Wahnsinns gebracht hat. Die Giftspritze des Dorfes, Traudl Krieger (Monica Bleibtreu), hat diesen Rand bereits überschritten und wird wegen ihrer Verschwörungstheorien nicht mehr ernst genommen. Doch Kathrin muss erfahren, dass die Aufklärung des "Falls" auch ihre eigenes Privatleben belastet.
Die DVD bietet einige nette Extras, wie ein Interview und einen sehr kurzen "Blick hinter die Kulissen". Doch hätte man gerne noch mehr erfahren über die "wahre Begebenheit", auf die der Film basiert und die auf der Verpackung werbewirksam propagiert wird.
Hans Strömsdörfer
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