Tante Daniele
Wahrhaft böse Hauptdarsteller sind rar. Meist werden sie zum Ende des Films geläutert - das erwartet das Publikum. Nur als Gegenspieler des Helden ist ein Bösewicht akzeptiert - jedoch unter der Voraussetzung, dass er kurz vor Schluss von einer Klippe fällt. Eine schöne Abwechslung ist daher Tante Daniele aus dem gleichnamigen Film, der bei Al!ve erschienen ist. Doch nicht etwa unsere Cousins jenseits des Ärmelkanals haben sich die Geschichte um die bitterböse Alte ausgedacht - sondern die linksrheinischen Gallier.
Worum geht es? Tante Daniele muss nach dem tödlichen Sturz ihrer Haushälterin (die unter Danieles Schimpftiraden den Kronleuchter abgestaubt hatte) zu ihrem Neffen ziehen. Doch trotz kleinen Zimmers, liebevoller Betreuung und Familienanschlusses wird aus der bitterbösen Daniele keine liebe Tante. Hauptdarstellerin Tsilla Chelton spielt keine schrullige Alte. Nicht einmal eine keifige Oma. Nein, sie spielt das Böse selbst. Keine Gelegenheit verfliegt, ohne dass sie den Hund malträtiert, das Essen schlecht macht, sich über ihr Zimmer beklagt. Catherine, die Frau ihres Neffens, versucht zunächst noch, Daniele alles recht zu machen. Doch schließlich kapituliert sie und sucht mit der Familie Erholung in einem Urlaub.
Sandrine wird für die Zeit ihrer Abwesenheit eingestellt - und es scheint, als ob sie Daniele zähmen könne. Doch hier wendet sich der Film angenehm von den gängigen Klischees ab.
"Tante Daniele" ist unterhaltsam und trotz seiner 20 Jahre vollkommen zeitlos. Die DVD bietet neben der deutschen und französischen Tonspur drei kurzweilige Interviews mit Chelton sowie Drehbuchautorin Florence Quentin und Regisseur Etienne Chatiliez.
Hans Strömsdörfer
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